Die Angst des Reisenden vor dem Busfahrer

Mein lieber Kokoschinski,

in Wien Schwechat lässt sich der Fahrer mit der Ordnungsnummer 172-4 in den breiten Fahrersitz des Niederflurwagens sinken. Die Lehne nach hinten gekippt blättert er lustlos in einem reich bebilderten Wochenmagazin. Das Vieh dörrt auf der Ladefläche. Es macht sich eine schweißige Hitze breit im Fahrgastraum, als endlich die junge Dame dem Fahrer das Zeichen für den Aufbruch gibt. Die Ladung ist voll. Der Fahrer schiebt seine Sonnenbrille hoch auf die Nase und lässt lustlos den Sitz in eine aufrechte Position hochschnappen. In der Rückfahrkamera auf dem massigen Armaturenbrett huscht der Rock der in rot gekleideten Stewardess der AUA (Austrian Airlines) in schwarz-weiß durchs Bild. Ängstlich werfe ich mich in die Halteschlaufen, um nicht gleich zu Beginn der beschwerlichen Reise der Länge nach auf die Ladefläche zu knallen. Und dabei womöglich von den Anderen niedergetrampelt zu werden. Der Kampf des Viehs mit der aufrechten Haltung ist dem routinierten Fahrer egal. Man meint fast zu ahnen, dass es ihm inmitten der gewerkschaftlich vorgegebenen Ruhezeit von 40 Minuten je Arbeitsstunde schon eine kleine Freude bereitet, den hektischen Kampf der Meute durch das Sicherheitsglas zu verfolgen. Im Todeskampf bin ich wie immer kurz davor, meinen ganzen Mut zusammen zu reißen und um Hilfe zu schreien. Ich male mir aus, von wem mehr negative Energie ausgehen mag: von den Wiener Fahrern oder von einem kosovarischen Grenzbeamten? Endlich ist die Fahrzeit um. Die Türen öffnen sich. Vor uns steht die Maschine. Wenigstens werde ich meinen Flug nach Köln pünktlich besteigen.

Mein lieber Kokoschinski, wenn Du also einmal eine Alternative zu „Dschungelcamp“, „Die Alm“ oder  „Looping des Todes“ suchst: einfach Lufthansa oder Germanwings nach Wien buchen. Aber Achtung: Gut festhalten!

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Die Angst des Reisenden vor dem Busfahrer

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