Lost in Parkhaus

Waren sie schon einmal in einem Parkhaus eingeschlossen? Ich ja. Ich durfte Gast sein im Hause des IT-Systemintegrators T-Systems in Frankfurt-Niederrad. Ein öffentliches Parkhaus wohlgemerkt. Betrieben vom Parkbatterie-Spezialisten APCOA. Allerdings mit einem verstecktem Mangel: kundenunfreundliche Ticket-Automaten. Mein lieber Kokoschinski, ich traf in der November-Kälte des Souterrains doch tatsächlich auf ein Gerät dieser Gattung, welches das wohl führende weil einfachste Zahlungsmittel der Welt nicht unterstützt: die Kartenzahlung. Kleine bunte Bank- und Kreditkarten mit magischem Magnetstreifen, die fälligen Wegzoll einfach, sauber und diskret per Bankeinzug regeln. Ein Automat der keine Karten liest? Wo sind wir denn hier? In Frankfurt … am Main. Innenstadt. Wenn dann für 5 Stunden 10 Euro auf der Uhr stehen, das mitgeführte Portemonnaie aber nur deren 5 hergibt, ist guter Rat hilfreich. Kein Problem an sich, gibt es doch in einem Gebäude mit den Ausmaßen des Rhein Energie Stadions sicher einen Empfang. Das lässt sich trotz ärgerlichen Aufwands das Zahlproblem sicher lösen. Nicht so im Business-Park Niederrad. Der hoffnungsvoll abgesetzte Hilferuf über die Automaten-Taste führt nach weiteren 50 Sekunden Wartezeit bis zu einer Telefonverbindung mit einem Call Center Agent – und zu einem beklemmenden Ergebnis.

Frage: „Sehen sie an welchem Automat ich stehe?“. Er: „Ja.“ Frage: „Kann ich hier irgendwo mit einer Karte zahlen?“ Er: „Nein“. Frage: „Was können wir jetzt tun?“ Er: „Ich weiß nicht was ich tun kann. Aber sie gehen mal besser zu einem Geldautomaten.“ Ich: „Wo ist denn der nächste?“ Er: „Das kann ich Ihnen nicht sagen. Auf Wiederhören.“

Schön und gut. Zurücksetzen, wieder Parkplatz finden, aufwärts ins Foyer. Nachdem ich einige Garagen-Gänge ziellos auf der Suche nach einem Aufgang durchkämmte (Hallo? Das Parkhaus hat mal locker 600 Plätze!), traf ich auf eine Treppe, die mich aus der beklemmenden Kälte des Kellers in die ebenso beklemmende Kälte des gepflegten Außenbereichs leitete. Rettung naht. Ein Eingang. Und einige rauchende IT-Entwickler vor der Glastür. Dahinter neben zahlreichen Warnschildern das hoffnungsfrohe Gesicht von … Fräulein Zebeyde M. (Name geändert, liegt dem Autor aber vor). Fräulein Zebeyde teilte mir daraufhin mit, dass ich zum nächsten Geldautomat schon ein Taxi brauchen sollte. Als ich Ihr dann sagte, dass ich sicherlich NICHT wegen eines  Geldautomaten den Stadtteil wechseln werde, geschah ein biblisches Wunder: Fräulein Zebeyde, als Zeitarbeiterin wahrscheinlich unterhalb des jüngst diskutierten Mindestlohns beschäftigt, reichte mir aus eigener Tasche den fehlenden Fünfer?! Mein lieber Kokoschinski, es sind die kleinen Gesten, die Menschen zugänglich und große Konzerne abweisend erscheinen lassen.

Natürlich zahlte ich den weichen Fünfer noch am selben Abend mit einer harten Internet-Banktransaktion (Anm.: diese Innovation kam NACH der Kartenzahlung) an Fräulein Zebeyde zurück. Ein Hoch auf APCOA Ticket-Automaten. Ein Glück, dass ich nicht per iPhone bezahlen wollte? Aber wer nutzt solche Geräte heute schon …

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